Inhalt
2 Problembeschreibung und Zielsetzung
2.1 Firmenportrait BTC
Die BTC Speciality Chemical Distribution GmbH ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der BASF AG. Die BASF AG ist das führende Chemieunternehmen der Welt. Im Geschäftsjahr 2004 erzielte die BASF einen Gesamtumsatz von 37,5 Mrd Euro. Diesen Erfolg der BASF ermöglichten 81.955 Mitarbeiter in fünf Kontinenten. Die Geschäftstätigkeit der BASF teilt sich in die fünf Segmente Chemikalien, Kunststoffe, Veredelungsprodukte, Pflanzenschutz & Ernährung und Öl & Gas (siehe BASF AG 2005).
Der Vertriebsverbund BTC Speciality Chemical Distribution besteht aus neun regionalen Tochterunternehmen der BASF AG und bildet die europäische Vertriebsorganisation mit Handelsaktivitäten der BASF-Gruppe zur Vermarktung von Spezialchemikalien.
Eine tragende Säule dieses Vertriebsverbundes ist die BTC Germany, entstanden aus der 1969 gegründeten Tensid-Chemie Köln. Als Spezialist für Veredelungschemikalien und Veredelungspolymere bietet die BTC Germany ein Sortiment für die Industriebereiche Wasch- und Reinigungsmittel, Formulierer, Kfz- und Ölindustrie, Papier, Lacke, Kunststoffe, Druckfarben, Textil, Leder und Klebestoff- und Bauindustrie. Innovative Vertriebsmodelle, wie kundenspezifische Umfüllungen und Mischungen, runden das Produkt- und Serviceportfolio der BTC Germany ab. Unter dem Motto "Europäisch denken - lokal handeln" bietet die BTC Germany hochwertige Chemikalien zusammen mit individuellen Dienstleistungen und maßgeschneiderten Systemlösungen an.
2.2 Ist-Zustand
In den verschiedenen europäischen BTCs sind bisher einige unterschiedliche Lösungen zur elektronischen Bestellabwicklung mit der BASF AG implementiert. Diese bestehen meist aus der Übertragung der Daten in einem festgelegten Flatfileformat und erfordern bei jedem Versandvorgang einige manuelle Eingriffe.
2.2.1 Flatfile-Lösung der BTC Germany
Streckengeschäft
Bei Verkauf und Lieferung von Produkten gibt es bei der BTC zwei grundlegende Möglichkeiten:
Lagergeschäft bedeutet, dass die Lieferung der Ware an den Kunden aus Lagern erfolgt, die von der BTC angemietet sind. Die Bestände dort werden bei Unterschreitung von Mindestbeständen oder in zyklischen Zeiträumen aufgefüllt.
Die zweite Variante ist das so genannte Strecken- oder Direktlieferungsgeschäft. Hierbei wird die Warenabwicklung von der BASF AG oder sonstigen Drittlieferanten direkt zum Kunden durchgeführt, ohne dass Lager der BTC Germany involviert sind. Der Vertriebsinnendienst der BTC gibt den Kundenauftrag in das ERP-System ein, welcher an den Lieferanten übertragen wird. Dieser bestätigt den Bestelleingang und versendet die Ware direkt an den Kunden. Der Wareneingang beim Kunden wird wiederum über den Spediteur an den Innendienst zurückgemeldet.
Ablauf
Die Abwicklung von Direktlieferungsaufträgen bei der BTC Germany erfolgt bisher relativ umständlich. Der Innendienst erstellt den Auftrag im ERP-System und füllt alle hierfür benötigten Felder mit Daten. Durch Aktivieren eines Auswahlfeldes wird die dazugehörige Bestellung als "Bereit zur Übertragung" markiert.
Der Vertriebsservice startet in regelmäßigem Abstand (ca. alle 20 Minuten) manuell ein Exceltool, das die bereitgestellten Bestellungen aus dem ERP-System ausliest und auf Plausibilität prüft. Nach eventuell nötiger Korrektur von Daten im ERP-System wird hier der Status auf "geprüft" gesetzt und ein Flatfile generiert, das mehrere Bestellungen enthalten kann. Es wird per FTP an das EAI-System bei der BASF AG übertragen.
Dieses löscht fehlerhafte Flatfiles und versendet eine Info per Email hierüber an den Vertriebsservice der BTC. Eine Beschreibung des Fehlers ist in dieser Info nicht enthalten. Der Fehler muss manuell gesucht und korrigiert werden. Anschließend kann das Flatfile erneut übertragen werden.
Korrekte Flatfiles werden konvertiert und an das entsprechende SAP-System der BASF AG übergeben. Falls dieses weitere Fehler erkennt, werden sie im SAP-System angezeigt, damit die zuständige Stelle entsprechende Änderungen vornehmen kann.
Die Auftragseingangsmeldung (Orderresponse) wird als EDI-Nachricht per FTP an die BTC übertragen und dort vom ERP-System Navision eingelesen. Geänderte Daten werden in der ursprünglichen Bestellung und einem Änderungsprotokoll eingetragen. Die entsprechenden Informationen werden per Email an den Innendienst versandt. Bei Fehlern bei der Verarbeitung einer Orderresponse wird ebenfalls eine Email an den Vertriebsservice geschickt, damit dieser darauf reagieren kann.
2.2.2 Projekt ASSIST4
Die BTC hatte zur Zeit der Bearbeitung dieser Diplomarbeit bereits ein EAI-Projekt durchgeführt. Dieses Projekt befasste sich mit der Anbindung der Exportsoftware ASSIST4, welche bei der BASF AG im Einsatz ist. Hierfür wurde eine Schnittstelle geschaffen, über die Daten in einem Flatfileformat aus dem ERP-System der BTC Germany an einen dafür vorgesehenen FTP-Server transportiert werden. Die Implementierungsarbeit für dieses Projekt hatte der Microsoft Business Solutions Partner (MBSP - früher als Navision Solution Center bezeichnet) Acadon (siehe auch Abschnitt 2.3) übernommen.
Für die Durchführung dieses Projekts wurde bereits ein EAI-System benötigt. Die Entscheidung fiel auf BizTalk Server von Microsoft, da hiermit die Anbindung an das eingesetzte ERP-System Navision, ebenfalls von Microsoft, am einfachsten herzustellen ist.
Hierfür hatte man zeitgleich zu dieser Diplomarbeit das Produktivsystem eingerichtet, das aus einem BizTalk Server - gehostet auf einer Virtual Machine - und einem separaten SQL Server besteht.
2.3 Übergeordnetes Projekt "eBridges"
Das Projekt "New EAI-Platform for BTC Europe" befasst sich mit dem standardisierten Datenaustausch zwischen den Gesellschaften der BTC Europe und der BASF AG. Ziel ist die Anbindung des ERP-Systems der BTC an die BASF AG. Dort wird das EAI-System Mercator für solche Zwecke eingesetzt. Dieses Projekt wurde in seiner Durchführung neu definiert und "eBridges" genannt, wobei das Ziel bestehen blieb.
Es ist geplant, BizTalk Server als Integrationssoftware auch für dieses Projekt zu verwenden. Da die Anforderungen von eBridges komplexer sind als die der ASSIST4-Anbindung, ist diese Entscheidung jedoch noch nicht endgültig, weshalb diese Diplomarbeit als Teilprojekt von eBridges im Sinne einer technischen Machbarkeitsstudie positioniert ist. Das weitere Vorgehen im Projekt ist unter anderem abhängig vom Ergebnis dieser Arbeit.
In das Projekt eBridges sind zwei externe Partner involviert. Zum einen der MBSP Acadon als technischer Lieferant. Er ist für die eventuelle Implementierung des BizTalk Servers und der Geschäftslogik und Schnittstellen darin zuständig. Der zweite Partner ist die BASF AG, welche der Empfänger der Daten ist.
2.4 Ziel dieser Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Einsatzmöglichkeiten des BizTalk Server für das Projekt eBridges zu evaluieren und Informationen über das System zu sammeln und zu bündeln. Dadurch soll das Projekt vorbereitet und unterstützt werden.
Es sollen mit einem Testsystem die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, anhand derer die Schnittstellen erarbeitet und vorbereitet werden können. Mögliche Nachrichtentypen, die für das Projekt eBridges relevant sind und damit später im Produktivsystem übertragen werden, sollen bestimmt werden. Für die Umsetzung und Übertragung dieser Nachrichten werden Prototypen im Testsystem eingerichtet. Diese Prototypen weisen die Machbarkeit und Komplexität der Umsetzung auf, dienen als Kommunikationsgrundlage mit den externen Partnern und ermöglichen eine Überprüfung des Projektergebnisses.
Schließlich sollen definierte Anforderungen bewertet werden um der BTC als Entscheidungshilfe bereitzustehen, in welchem Rahmen BizTalk Server für EAI-Projekte eingesetzt werden wird. Das Testsystem, die Testszenarien und ergebnisse sowie eigens verfasste Dokumentationsunterlagen einschließlich dieser Diplomarbeit erleichtern die zukünftige Arbeit mit dem System.
2.5 Aufgabenstellung
Die Aufgabenstellung findet sich in ihren Grundzügen auch im Projektstrukturplan (siehe Anhang A) wieder.
2.5.1 Erstellen eines Anforderungskatalogs
Es wird eine Liste der Eigenschaften und Funktionalitäten aufgestellt, die der BTC an ihrem EAI-System wichtig sind. Diese enthält einerseits Eigenschaften, die bei der Auswahl des Systems für das Projekt eBridges und weitere EAI-Projekte relevant sind. Andererseits werden offene Fragen zu Funktionalitäten aufgeführt, deren praktische Umsetzung zu überprüfen ist.
2.5.2 Aufbau und Konfiguration einer Testumgebung
Es wird eine Testumgebung eingerichtet, das aus allen Systemen besteht, die für das Projekt relevant sind. Dazu zählen unter anderem SQL Server, BizTalk Server, Commerce Gateway, Visual Studio .NET und Navision Server und Client. Dieses Testsystem ermöglicht die Durchführung aller weiteren Tests und Untersuchungen.
2.5.3 Analyse der Ein- und Ausgabedaten
Ausgehend von den bestehenden Lösungen werden Nachrichtentypen bestimmt, die aus technischen und wirtschaftlichen Aspekten dafür geeignet sind, im Projekt eBridges umgesetzt zu werden.
Ausgehend von den Vorgaben der BASF AG, die den Empfänger der Daten darstellt, werden Standards und Techniken evaluiert, die für die Übertragung in Frage kommen.
2.5.4 Durchführen von Tests
Es werden Kommunikationsszenarien konstruiert, um die Umsetzungsmöglichkeiten der Anforderungen auszutesten. Hierfür werden in dem Testsystem die entsprechenden Schemas, Mappings und Regeln eingerichtet und die Funktionalitäten überprüft.
2.5.5 Bericht über die Ergebnisse
Im Anforderungskatalog werden die Anforderungen und Fragen mit den erarbeiteten Erklärungen und Antworten ergänzt. Weitere Ergebnisse werden in zusätzlichen Dokumenten festgehalten, welche den IT-Mitarbeitern der BTC für zukünftige EAI-Projekte von Nutzen sind. Dazu gehören vor allem die Installationsbeschreibung der Testumgebung, relevante Informationen über BizTalk Server, Anleitungen zu den häufigsten Tätigkeiten und die Dokumentation und Quellcodes der Tests. Als weiterer wichtiger Teil der Dokumentation soll der theoretische Teil dieser Arbeit dienen.





