T minus viele Jahre - Die Idee
Vor vielleicht 10 Jahren hab ich zum ersten Mal im Fernsehen von Laserbehandlungen gesehen, die Kurzsichtigkeit behandeln können. Es hieß, das kann man mal schnell in der Mittagspause machen. Da hab ich mir vorgenommen, dass ich das machen lasse, wenn ich's mir leisten kann und alle anderen Voraussetzungen passen.
T minus 18 Monate
Als ich so langsam richtig Geld verdient habe, habe ich mir ein Tagesgeldkonto eröffnet und jeden Monat ein paar Euro draufgezahlt und immer, wenn's einen Batzen zusätzlich gab (Steuerrückzahlung usw.). Das tut nicht weh, aber irgendwann ist das Konto voll genug für die OP.
T minus 6 Wochen - Die Voruntersuchung
Nach einiger Recherche im Internet (auf den Seiten der Laserzentren, deren Infobroschüren und in Foren zum Thema) wollte ich mich zu einem Infoabend in der Augenlaserklinik in Lohr anmelden.
Infoabende haben den Vorteil, dass man sich unverbindlich informieren kann und gleichzeitig die Örtlichkeiten und das Personal ein wenig kennenlernt und einschätzen kann. Für Lohr habe ich mich entschieden, da der leitende Arzt Dr. Armbrust einen sehr guten Ruf genießt und auf diesem Gebiet langjährige Erfahrung vorweisen kann. Die verwendeten Geräte sind immer auf dem neuesten Stand. Von der Anfahrt her ist Lohr gut für mich zu erreichen. Und außerdem ist es ein beruhigendes Gefühl, diesen Eingriff in einer der besten Augenkliniken durchführen zu lassen. Auf LASIK spezialisierte Zentren sind auf diesem Gebiet bestimmt genauso gut. Aber ein wenig Kompetenz in anderen Bereichen der Augenbehandlung kann nichts schaden. Ein Eingriff im Ausland kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage. Auch dort wird bestimmt meist die gleiche Qualität geboten, aber bei eventuellen Komplikationen kann man dann nicht mehr zu dem gleichen Arzt gehen und wird sich wohl ewig Vorwürfe machen.
Leider sind diese Infoabend meistens unter der Woche, was für mich durch meinen Beruf einen Besuch erschwert. Daher habe ich mich direkt für eine Voruntersuchung angemeldet. Falls diese ergibt, dass man für den Eingriff nicht geeignet ist, ist die Untersuchung kostenlos. Wenn man anschließend die OP machen lässt, ist die Untersuchung im Gesamtpreis mit drin. Nur wenn man geeignet ist und die OP nicht machen lässt, muss man für die Voruntersuchung separat bezahlen. Vor der Untersuchung darf man für einige Wochen keine Kontaktlinsen tragen.
Die Untersuchung selbst lief dann recht entspannt ab. In insgesamt ca. 2 Stunden werden mehrere Tests am Auge durchgeführt, von den bekannten Seh- und Augenarzttests bis zu mir bisher unbekannten Apparaten, die die Hornhaut detailgenau vermessen. Das Personal war sehr freundlich und offen und hat alle Fragen geduldig beantwortet. Auch Dr. Armbrust persönlich schaut sich immer gleich die Testergebnisse an und steht für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.
Das Ergebnis war, dass ich mit Brille hervorragend sehe. Da ich eine ausreichend dicke Hornhaut habe, können sie gut daran arbeiten und sind sehr zuversichtlich, dass ich die gleiche Sehkraft nach der OP auch ohne Brille haben werde. Natürlich immer mit dem Nebensatz, dass ein 100%iger Erfolg nicht garantiert werden kann. Meine Pupille weitet sich überdurchschnittlich weit, daher muss ich erstmal mit verstärktem Blenden rechnen, was sich aber auch wieder legen sollte.
Man kann sich zwischen einer "normalen" LASIK und der Femtolasik entscheiden. Bei der herkömmlichen Methode wird die Hornhaut mit einem Messer aufgeschnitten, bei der Femto hingegen wird auch dieser Schritt von einem Laser erledigt. Dadurch wird die geringe Infektionsgefahr noch deutlich weiter verringert und die Heilung beschleunigt. Dadurch ist die Femto natürlich nochmal ein Stückchen teurer.
Zum Schluss gab's noch ein bisschen Infomaterial und ich habe gleich den Termin zur OP festgelegt. Selbst nach Hause fahren ist bei der Voruntersuchung nicht möglich, da man Tropfen zur Pupillenerweiterung bekommt, die Autofahren unmöglich machen. Für die nächsten 2-3 Tage lief ich ziemlich geblendet durch die Gegend.
T minus einige Tage
Vor der Operation sollte man wieder einige Wochen keine Kontaktlinsen tragen. Schminken, Deo, Haargel und so weiter sind für den Tag der Operation verboten. Ein leichtes Frühstück ist erlaubt.
Außerdem hat man ein Rezept bekommen für zwei Augentropfen, die man vorher besorgen und zur OP mitbringen muss.
Für die anderthalb Wochen nach der OP hab ich mir freigenommen, um meine Augen in Ruhe auskurieren zu können.
T minus ein paar Stunden
Hab gerade die Einverständniserklärung unterschrieben. So langsam werde ich nervös.
T 0 - Jetzt wird's ernst
Heut früh ging's los. Nach ein bisschen Papierkram und ner Beruhigungstablette ging's gleich in den OP-Bereich mit Häubchen, Schühchen und Kittelchen. Im 20-Minuten-Takt wurden da die Leute abgefertigt, aber alles ohne Hektik. Man hörte leider die Geräusche von den Vorgängern (klingt wie ne flackernde Neonröhre).
Bald ging's dann los: Man legt sich hin und wird gleich unter den ersten Laser geschoben. Dann gibt's irgendwelche Saugringe auf das Auge, man muss ne Weile stillhalten und schon ist die Hornhaut aufgeschnitten (mit dem Femto-Laser). Das ist ein wenig unangenehm, dauert aber nur ne Minute. Nach dem zweiten Auge wird man unter die nächste Maschine geschoben. Hier gibt's ne Lidklammer, damit man nicht mehr blinzeln kann und man muss ein rotes Licht fixieren. Der Arzt klappt die Hornhautlamelle zur Seite (sieht sehr seltsam aus von unten) und los geht's: 30 Sekunden stillhalten. Man merkt oder sieht vom Laser nichts. Nur das Geräusch und ein leichter Geruch von verbrannter Haut. Anschließend wird die Hornhaut wieder zugeklappt und unter einer Flüssigkeit glattgestrichen. Die selbe Prozedur für's zweite Auge und fertig.
Alles in allem ist die Sache schmerzfrei. Man spürt ab und zu einen Druck auf'm Auge und sieht die unterschiedlichsten Lichter oder auch mal nur Schwarz. Aber alles geht schnell rum.
Raus aus'm OP-Raum muss man erstmal ein paar Minuten warten, dann schaut sich jemand das Auge kurz an und man darf schon gehen. Den Tag über sollte man die Augen viel geschlossen halten und muss stündlich Tropfen reinmachen (künstiliche Tränen und Anti-Desinfektionsmittel). Ich sah alles noch ein wenig verschwommen und vernebelt und nach ner Weile taten die Augen weh und ich musste sie zumachen, aber insgesamt war das Ergebnis schon nach einigen Stunden überraschend gut.
T plus 1 Tag - Ich kann sehen!
Am nächsten Morgen aufgewacht ... und gleich alles scharf gesehen. Ein super Gefühl! Die erste Nachuntersuchung ging auch wieder flott: 0 Dioptrien, 125% auf einem Auge, 100% auf dem anderen. Tendenz steigend, da die Hornhaut ja noch verheilen muss. Der Hornhautlappen sitzt super gut fest. Nur ein paar rote Flecken hab ich noch im Auge, weil beim Ansaugen ein paar Äderchen geplatzt sind, aber das ist kein Problem. Ich habe gleich eine Bestätigung für den Führerschein mitgekriegt, dass ich jetzt ohne Sehhilfe fahren darf. Ich kann tagsüber auch tatsächlich schon wieder selbst fahren. Nur nachts geht noch nicht, da ich um helle Dinge und Lichter einen nebligen Schein sehe (so wie eine "Aura"). Tagsüber ist das nicht so schlimm, aber nachts ist es extrem. Aber auch das wird sich in den nächsten Tagen oder Wochen noch legen. Ansonsten seh ich meist super scharf. Manchmal wird's ein bisschen schwammig, vor allem wenn ich eine Weile keine Augentropfen reingemacht habe. Aber auch das wird noch verschwinden. Genauso wie die erhöhte Blendempfindlichkeit. Ich werd mir jetzt erstmal ein oder zwei schicke Sonnenbrillen kaufen.
Mit dem Gesamtergebnis bin ich soweit schon super zufrieden!
T plus 1 Woche - Nachuntersuchung
Nach einer Woche war die nächste Nachuntersuchung. Auch diesmal war das eine Sache von ein paar Minuten. Die Sehstärke ist soweit stabil, die Hornhaut sitzt fest. "Alles perfekt" sagt der Arzt. Bis die Blendempfindlichkeit und die strahlenden Lichter weg sind, kann es noch 2-3 Monate dauern. Solange soll ich auch ab und zu und nach Bedarf Augentropen reinmachen.
Die nächste Nachuntersuchung ist in 6-8 Wochen. Theoretisch könnte man die Untersuchungen auch bei seinem "normalen" Augenarzt machen, muss die dann aber erstmal selbstbezahlen und kriegt das Geld von der Laserklinik wieder erstattet. Ich mache das aber lieber auch in Lohr, da fühl ich mich wohl.
T plus 2 Monate - Letzter Check
Heute war ich bei der letzten Nachuntersuchung (ca. 6-8 Wochen nach der OP). Es wurden die üblichen Sehtests und nochmal ein Hornhautscan gemacht. Laut Arzt sieht alles super aus, das war dann die letzte geplante Untersuchung.
Mein subjektiver Eindruck: Ich sehe schlechter als vorher mit Brille. Da ich aber vorher ziemliche Adleraugen hatte, bin ich jetzt auf "normalem" Niveau. Vollkommen ausreichend. Nachts habe ich immer noch deutliche "Heiligenscheine" um Lichter. Das stört nicht so arg und ist gut genug, um Auto zu fahren. Der Arzt erwartet, dass sich das noch bessert. Üblicherweise ist das zwar schneller weg, aber manchmal dauert's halt länger. Damit verbessert sich auch die Sehstärke noch. Man kann nichts tun, um die Heilung zu unterstützen, auch Augentropfen helfen nur bedingt.
T plus ein halbes Jahr
Mittlerweile ist ein halbes Jahr seit dem Eingriff vorbei. Ich habe mich schon stark an meine Freiheit gewöhnt, aber es gibt noch immer Momente, an denen ich mich bewusst darüber freuen kann.
Ein Vergleich zu der vorigen Sehstärke wird mit der Zeit immer schwerer, da es ja schon eine Weile her ist. Mein aktuelles Fazit ist aber wie bisher: Ich sehe ein wenig schlechter als vorher mit Brille. Die Reflexionen bei Nacht sind nicht ganz verschwunden, stören mich aber nicht. Und ich werde diesen Eingriff weiterhin jedem empfehlen, der Interesse daran hat.





